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Reportage

22.9.2026, Koni Ulrich

Feine Risse machen neugierig

Buchvernissage - Der Autor ist in Glattfelden aufgewachsen

Raffael Rihs liest aus seiner Neuerscheinung

Raffael Rihs liest aus seiner Neuerscheinung

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Am Donnerstagabend stellte der in Glattfelden auf der Wölflishalde aufgewachsene Raffael Rihs sein zweites Buch im Theater am Gleis in Winterthur vor. Nach dem Roman «Die Flügel der Anderen» vor zwei Jahren folgt diesmal in seinem Wohnort die Geschichtensammlung «Nie ist alles gut» mit Menschen, die sich unter verschiedensten Umständen begegnen. Diese Verbindungen sind selten von Dauer, wirken aber im Kopf des Lesers umso länger nach.

Pianist Thomas Bloch Bonhoff begleitet den Abend

Pianist Thomas Bloch Bonhoff begleitet den Abend

Wenn das erste Buch mal geschrieben und unter die Leute gebracht ist, läuft die Karriere des jungen Schreibers dann von selbst, dies die landläufige Annahme. Doch der Druck für einen jungen Autor ist gross, mindestens ebenso erfolgreich wie beim Erstling zu sein. Daran scheitert dann auch der eine oder die andere. Raffael Rihs hat dazu eine pragmatische Haltung, die er mir Minuten nach der gut besuchten Lesung im städtischen Kleintheater kundtut: «Das hat mich deshalb eigentlich wenig belastet, weil mein Erstling ein Roman war und es sich diesmal um eine Sammlung von kürzeren Geschichten handelte.»

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Vernissage mit städtischem Heimpublikum

Jedenfalls ist im Theater am Gleis beim Bahnhof Winterthur die Stimmung im Publikum locker und erwartungsfreudig, als Verlagsleiterin Irène Bourquin den Abend eröffnet. Der Autor, so weiss sie, habe für seinen Erstling «Das Leben der Anderen» ganze sieben Jahre gearbeitet. Sie habe ihn dann gebeten, mit dem zweiten nicht nochmals so lange zu warten. Pianist Thomas Bloch Bonhoff überbrückt am Flügel die Beiträge auf der Bühne, spielt mehrere gefühlvolle, nicht eben gängige Klassiker, und wartet auf mit einer Eigenkomposition. Rihs liest Ausschnitte aus zwei Geschichten. Die eine hat auch den Weg in die Herbstvorschau des Verlags Caracol gefunden. Darin erlebt ein junges Paar einen nächtlichen Wildunfall, der sie beide, je länger je mehr durcheinanderbringt und in eine Krise stürzt. Die zweite spielt im Nachtzug nach Wien, wo ein junger Mann, eben von seiner Freundin getrennt, auf eine verlorene Seele trifft. Diese hadert ihrerseits mit der Verbindung zu ihrem – friedlich im Abteil schlafenden – Noch-Partner. Beide Stories werden im Buch, wie auch die weiteren von zehn, von einem Ich-Erzähler mitgeteilt. Logisch, dass man bei jeder einzelnen Szene gern wissen würde, ob der Autor da nun von sich selber spricht. Aber, diese naheliegende Frage «Sind Sie das?» wollen wir ihm für einmal ersparen. Sie hat ja sein Kollege und Konkurrent, der Zürcher Autor Charles Lewinsky, in einem eigenen Buch mit eben diesem Titel schon abgehandelt.

Verlagsleiterin Irène Bourquin begrüsst die Gäste

Verlagsleiterin Irène Bourquin begrüsst die Gäste

Wo Risse entstehen, wird es spannend

Sowohl in der Literatur, wie auch in der Musik, werde es halt am interessantesten, wenn etwas nicht perfekt sei, hält zunächst der begleitende Pianist Bloch Bonhoff fest, als es um die Auswahl seiner Musikstücke geht. Wo feine Risse entstünden, werde es eben spannend. Der Titel des Buchs heisst denn auch «Nie ist alles gut». Wenn der Autor für den Erstling vor drei Jahren noch sieben Jahre gebraucht habe, sei das neue Werk nun relativ rasch entstanden, weiss die Verlegerin. Da mag der Umstand mitgeholfen haben, dass der als Gitarrenlehrer arbeitende und in diversen Bands als Musiker aktive Raffael Rihs vor zehn Jahren schon insgesamt 28 Kurzgeschichten unter dem Titel «Das Leben der Unsichtbaren» im Winterthurer Stadtanzeiger publiziert hatte. Die oft zufällig zusammenkommenden Protagonisten des Buchs treffen sich nun etwa beim Warten im Bahnhofbuffet, im Nachtzug nach Wien oder in einer Brasserie in der Stadt der Liebe, Paris. Vieles bleibt dabei in der Schwebe und macht die Geschichten eben so luftig, dass man sie gerne liest und immer wissen möchte, wie es weitergeht. Hängen des Lesers Gedanken immer noch an der temporären Wohngenossin, welche sich etwas zu brüsk verabschiedet hatte, so gilt es schon, sich auf die nächste, theatertaugliche Szene einzustellen. Es sind eben Kurzgeschichten von nie mehr als 20 Buchseiten. Allerdings, an jenem Zweiertischchen vor der beliebten Bar wird dann auch mal über mehrere Zeitschritte eine – natürlich gescheiterte – Beziehung im Nachhinein aufbereitet. Es bleibt beim Versuch, die Situation vage.

Das Buchcover

Das Buchcover

Wie ticken die Jüngeren?

Mein persönliches Exemplar des Buchs hält mir im Moment immer noch drei ungelesene Geschichten bereit. Ich freue mich auf sie, denn sie haben einen Sog, der mich mitträgt, auch wenn vieles bis zum Schluss in der Schwebe bleibt. Dass die Protagonisten eher im Alter unserer an der Vernissage anwesenden Söhne und deren Clique sind, stört mich dabei überhaupt nicht. Im Gegenteil, die Szenerie dieser zehn Geschichten lässt mich in einer faszinierenden Weise teilhaben an den Lebensfragen der nächsten Generation.

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Raffael Rihs liest aus seiner Neuerscheinung

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Pianist Thomas Bloch Bonhoff begleitet den Abend

Verlagsleiterin Irène Bourquin begrüsst die Gäste

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