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Mehr als 50 Gäste fanden am Samstagabend den Weg ins Gottfried-Keller-Zentrum. Auf dem Programm stand das Comedytheater «Chalti Chuchi – Rosmarie weiss es». Das Publikum war begeistert.
Ein Bistrotisch, ein Stuhl, ein Regal: Mehr braucht Wirtin Rosmarie nicht.
Das Bühnenbild ist bewusst einfach gehalten – ein Bistrotisch, ein Stuhl, ein Regal. Die obligate Ménagère steht bereit, inklusive Aromat, Maggi und hart gekochten Eiern. Und dann kommt sie, die Rosmarie, mit Leib und Seele Wirtin in der Dorfbeiz Zipfel in Wald im Zürcher Oberland. Ondulierte graue Haare, Stützstrümpfe, übergrosse Brille und kleinkariertes Jackett – so präsentiert sich Rosmarie dem Publikum, gewinnt innert Minuten dessen Sympathien. Sie erzählt beinahe beiläufig von ihrer Dorfbeiz, den kleinen Missgeschicken im Alltag, der Fritteuse, welche explodiert ist. Da sind Figuren, die sie geschickt einfügt. Etwa Desirée, die stets rauchende Serviertochter, welche ihrer Chefin gerne Ratschläge erteilt und weiss, dass das dynamische Wort «Fuck you» oft Erfolg hat.
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«Bei mir in der Beiz im Zipfel würdet ihr euch wohlfühlen», verspricht Rosmarie, und man kauft es ihr ab. Sie erzählt vom schweren Windfänger, von der Vitrine mit Wimpeln und Pokalen, von der WC-Türe mit nur einem Zeichen. «Dann habe ich das Problem nicht mit diesem, äh, Gendern.» Kokett spielt sie mit ihren unzureichenden Englischkenntnissen, versetzt die Gäste immer mehr in das Gefühl, inmitten dieser Beiz im Zürcher Oberland zu sitzen, wo die Welt noch in Ordnung ist, wo es noch laminierte Speisekarten gibt. «Je verklebter sie sind, desto mehr Leute hatten sie in den Händen.»
Lovestory: auf der einen Seite der leidenschaftliche Luigi, auf der anderen die junge Rosmarie.
Liebesgeschichten lassen das Herz höherschlagen
Zwischendurch tauchen leisere Töne auf. Sie sei eine Witwe mit Optionen, hätte am liebsten einen Mann mit Seeanstoss. «Hier in Glattfelden auf so einen zu stossen, ist wohl eher unwahrscheinlich.» Dann schwärmt sie vom temperamentvollen Luigi, dem Saisonnier, mit welchem sie früher viele Abende in der Kegelbahn verbrachte, bis er eines Tages einfach verschwunden sei. Auf Luigi folgte Ernst. «Eine Bessere finde ich nicht, dich heirate ich.» Das Publikum bekommt beide Fotografien zu Gesicht, teilt Emotionen wie Freude und Trauer. Ein Höhepunkt des Abends ist die Tanzeinlage, bei welcher zur Hälfte Rosmarie, zur anderen Hälfte Luigi einen leidenschaftlichen Tanz aufs Parkett legen. Gekonnt inszeniert, mit einem roten Damen- und einem schwarzen Herrenschuh, schlüpft Schauspielerin Babs Stehli in diese zwei Rollen in einer Person.

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Ein Bieruntersetzer soll mit Stichwörtern versehen werden.
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Die Pause darf genutzt werden, um Bierdeckel mit einem Stichwort zu versehen. Von «Harmonie» über «Baumstamm» bis hin zu «Flasche» – Rosmarie hat für alle Begriffe eine Antwort, spontan, pointiert, aus dem Bauch heraus. «Das Leben ist wie die Wurst auf dem Grill», sinniert sie, während sie gleichzeitig über Kindererziehung, Putzen und Verhüten plaudert. Als die Wirtin auch noch mit Musik aufwartet, scheint das Beizenglück perfekt zu sein. Das Publikum klatscht begeistert mit. «Restaurant Zipfel heisst mini Beiz im Züri Oberland», singt Rosmarie, gefolgt von lauten Bravo-Rufen. Ein Halsfegerbonbon als Motivationsspritze zum Mitsingen. Das letzte darf auch geteilt werden. «Mier chömed zum Zipfel», versprechen einige Gäste. Fast scheint es so, als ob man wirklich ins Zürcher Oberland reisen möchte, in die Dorfbeiz mit Zigarren rauchenden Gästen, mit Dorfgeheimnissen und Stammtischgesprächen, mit Serviertochter Désirée, mit verklebten Speisekarten, einer kaputten Fritteuse und mit Rosmarie – einer Mischung aus Wirtin, Mama und bester Freundin, welche Vieles versteht und alles weiss.
In der Garderobe wird während der Pause aus Rosmarie Schauspielerin Babs Stehli.
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Schauspielerin Babs Stehli verkörpert die Rolle der Wirtin Rosmarie mit viel Charme und subtilem Humor.
Ein Bistrotisch, ein Stuhl, ein Regal: Mehr braucht Wirtin Rosmarie nicht.
Lovestory: auf der einen Seite der leidenschaftliche Luigi, auf der anderen die junge Rosmarie.
In der Garderobe wird während der Pause aus Rosmarie Schauspielerin Babs Stehli.
«Zarter, herziger, feiner Humor»
Zuschauer Peter Giovanon amüsiert sich bestens. «Diese Comedy ist etwas zwischen Kinderaufführung und Alltag mit guten Gags. Ich würde jederzeit wieder zu einem Auftritt dieser Schauspielerin kommen.» Ähnlich sieht es Claudia Gassmann. «Zarter, herziger, feiner Humor», lautet ihr Urteil.

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Fotos: Ruth Hafner Dackerman
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